EWS-Abschaltung in Exchange Online: Zeitplan und nächste Schritte
Kurz gesagt: Microsoft schaltet die Exchange Web Services (EWS) in Exchange Online ab: Seit 1. Oktober 2026 wird EWS mandantenweise gesperrt, ab 1. April 2027 ist es endgültig aus. Bis dahin lassen Admins einzelne Programme nur noch über die Freigabeliste EWSAllowedAppIDs zu. Exchange Server im eigenen Haus, auch Exchange SE, ist nicht betroffen.
Microsoft schaltet die Exchange Web Services (EWS) in Exchange Online ab: seit 1. Oktober 2026 schrittweise gesperrt, ab 1. April 2027 endgültig. Was das heißt, wen es trifft und was Sie jetzt prüfen sollten.
- Betroffen sind Programme und Dienste, die Postfächer in Microsoft 365 (Exchange Online) über EWS ansprechen – etwa ältere Mailprogramme, Sicherungs-, Archiv- oder Synchronisationswerkzeuge und selbst geschriebene Skripte.
- Nicht betroffen ist Exchange Server im eigenen Rechenzentrum. Dort bleibt EWS erhalten.
- Bis April 2027 lässt sich EWS nur noch gezielt für einzelne Anwendungen freigeben (Freigabeliste
EWSAllowedAppIDs). Danach geht es nicht mehr. - Erster Schritt: den EWS-Nutzungsbericht im Microsoft 365 Admin Center öffnen und jede gelistete Anwendung einem Zuständigen zuordnen.
Was ist EWS – und warum schaltet Microsoft es ab?
EWS ist eine Schnittstelle, über die Programme auf Mails, Kalender und Kontakte in Exchange zugreifen. Sie ist seit Exchange 2007 im Einsatz und wird von vielen Werkzeugen genutzt, die neben dem eigentlichen Mailprogramm laufen. Für Exchange Online hat Microsoft schon 2023 angekündigt, EWS zu beenden, und verweist auf Microsoft Graph als Nachfolger. Laut Microsoft bietet Graph inzwischen nahezu denselben Funktionsumfang.
Zeitplan der EWS-Abschaltung
| Datum | Was passiert |
|---|---|
| 2023 | Erste Ankündigung (MC676299): Ende von EWS in Exchange Online am 1. Oktober 2026. |
| Februar 2026 | Aktualisierter Zeitplan (MC1227454): schrittweise Sperre ab Oktober 2026, endgültiges Aus am 1. April 2027. |
| Ende Juli 2026 | Die Freigabeliste EWSAllowedAppIDs steht allen Mandanten zur Verfügung (MC1447678). |
| 1. Oktober 2026 | Microsoft beginnt, EWS mandantenweise zu sperren. Wo nichts eingestellt ist, wird EWS abgeschaltet. Wer EWS weiter braucht, muss EWSEnabled=True setzen und die erlaubten Anwendungen in die Freigabeliste eintragen. |
| 1. April 2027 | EWS in Exchange Online wird dauerhaft entfernt. Ein Wiedereinschalten ist dann nicht mehr möglich. |
Wichtig: Wird EWSEnabled auf True gesetzt, ohne dass eine Freigabeliste gepflegt ist, gibt es nach Beginn der Sperre keinen uneingeschränkten Zugriff mehr. Und wer die Liste ändert, ersetzt sie vollständig – es müssen also jedes Mal alle benötigten Kennungen mitgegeben werden.
Wer ist von der EWS-Abschaltung betroffen?
Betroffen ist jede Anwendung, die ein Microsoft-365-Postfach über EWS anspricht. Typische Fälle in kleinen und mittleren Unternehmen:
- Mailprogramme, die Microsoft-365-Postfächer als „Exchange“ über EWS einbinden statt über Microsoft Graph oder ActiveSync.
- Werkzeuge im Hintergrund: Sicherung und Archivierung, Kalender-Abgleich mit CRM oder Branchensoftware, Telefonie-Anbindungen, Raumbuchung.
- Eigene Skripte und Automatisierungen, oft vor Jahren von einem Dienstleister eingerichtet und seither unbemerkt in Betrieb.
- Migrationswerkzeuge, die Postfächer über EWS kopieren.
Ob ein bestimmtes Produkt betroffen ist, kann nur der Hersteller verbindlich sagen. Der Nutzungsbericht (siehe unten) zeigt aber, was in Ihrem Mandanten tatsächlich noch EWS aufruft.
Ist Exchange SE betroffen? Wer nicht betroffen ist
- Exchange Server im eigenen Haus (2016, 2019 und Subscription Edition, kurz Exchange SE): Microsoft ändert an EWS dort nichts.
- Programme, die Microsoft Graph, IMAP oder Exchange ActiveSync nutzen, sind von dieser Abschaltung nicht berührt.
- Exchange-kompatible Server anderer Hersteller wie grommunio entscheiden selbst über ihre Schnittstellen.
EWS-Nutzungsbericht: Welche Programme nutzen noch EWS?
Im Microsoft 365 Admin Center finden Sie unter „Berichte“ einen eigenen EWS-Nutzungsbericht. Er zeigt die Anwendungen, die in Ihrem Mandanten noch EWS aufrufen, mit ihrer App-Kennung, den genutzten EWS-Aktionen und der Zahl der Aufrufe. Für jede Zeile klären Sie: Wer betreut die Anwendung, wird sie noch gebraucht, und gibt es beim Hersteller eine Version mit Microsoft Graph? Unbekannte Einträge sind oft alte Skripte oder Testzugänge.
EWSAllowedAppIDs: die Freigabeliste für den Übergang
Was bis April 2027 noch EWS braucht, tragen Sie gezielt in die Freigabeliste EWSAllowedAppIDs ein und setzen EWSEnabled auf True. Microsoft weist auf drei Stolpersteine hin:
- Die Liste wird bei jeder Änderung vollständig ersetzt. Geben Sie also jedes Mal alle benötigten Kennungen an – auch die von Microsoft-eigenen Anwendungen, die im Nutzungsbericht auftauchen.
- Prüfen lässt sich die Liste mit
Get-OrganizationConfig -RetrieveEwsOperationAccessPolicy | Format-List EwsAllowedAppIDs. - Änderungen können bis zu 24 Stunden dauern, bevor sie greifen.
EWS oder Microsoft Graph?
Microsoft Graph ist der Nachfolger für Exchange Online. Für eigene Skripte heißt das: umschreiben auf Graph. Für gekaufte Programme: beim Hersteller nach einer Graph-Version fragen und ein Datum geben lassen. Planen Sie die Ablösung bis spätestens März 2027 – mit Puffer für Tests.
Und wenn Sie Exchange Online ganz verlassen wollen?
Für manche Unternehmen ist die Abschaltung ein Anlass, grundsätzlicher zu fragen: Muss die Post überhaupt in einer US-Cloud liegen? Exchange Server im eigenen Haus bleibt eine Möglichkeit, ebenso europäische Groupware wie grommunio oder Open-Xchange. Einen sachlichen Überblick gibt unser Vergleich „Exchange-Alternative aus Europa“ (erscheint in Kürze).
Wo mySupermail.app hilft – und wo nicht
mySupermail.app spricht Microsoft 365 über Microsoft Graph an („Mit Microsoft anmelden“) und ist von der EWS-Abschaltung in Exchange Online daher nicht betroffen. EWS nutzt mySupermail.app nur dort, wo es weiter angeboten wird: für Exchange Server im eigenen Haus und für grommunio – mit Mail, Kalender, Kontakten, Firmenverzeichnis und Frei/Gebucht. In der Desktop-App geht das in jeder Edition direkt vom Rechner aus, auch im Firmennetz; im Browser mit KMU und Enterprise.
Ihre anderen EWS-Werkzeuge – Sicherung, Archiv, Anbindungen an Branchensoftware – ersetzt mySupermail.app nicht. Für diese gilt der Fahrplan oben.
Häufige Fragen
Was ist EWS?
EWS (Exchange Web Services) ist eine Schnittstelle, über die Programme auf Mails, Kalender und Kontakte in Exchange zugreifen. In Exchange Online wird sie abgeschaltet, Nachfolger ist Microsoft Graph.
Ist Exchange SE oder Exchange Server im eigenen Haus betroffen?
Nein. Microsoft schreibt ausdrücklich, dass sich an EWS in Exchange Server (on-premises) nichts ändert – das gilt auch für die Subscription Edition (Exchange SE). Betroffen ist nur Exchange Online, also Postfächer in Microsoft 365.
Kann man EWS nach dem 1. Oktober 2026 wieder einschalten?
Ja, aber nur noch gezielt: Admins tragen die App-Kennungen der Programme, die EWS weiter brauchen, in die Freigabeliste EWSAllowedAppIDs ein und setzen EWSEnabled auf True. Ab 1. April 2027 geht auch das nicht mehr.
Wo finde ich den EWS-Nutzungsbericht?
Im Microsoft 365 Admin Center unter „Berichte“. Er zeigt, welche Anwendungen in Ihrem Mandanten noch EWS aufrufen, mit App-Kennung und Zahl der Aufrufe.
Muss ich mein Mailprogramm wechseln?
Nur wenn es Exchange Online über EWS anspricht. Programme, die Microsoft Graph, IMAP oder Exchange ActiveSync nutzen, sind von dieser Abschaltung nicht betroffen. Fragen Sie im Zweifel den Hersteller.
Quellen
- Microsoft Message Center MC1227454: Update zur EWS-Abschaltung in Exchange Online (Februar 2026)
- Microsoft Message Center MC1447678: Vorbereitung mit EWSAllowedAppIDs (August 2026)
- Microsoft 365 Developer Blog: EWS Code Analyzer und Nutzungsbericht (Mai 2025)
- Microsoft Message Center MC676299: ursprüngliche Ankündigung (2023)